Verstehen mit Daten: Super League 21-22


FC Zürich Road to Success 2021-22
FC Zürich Road to Success 2021-22

Der FC Zürich kam aus drei verpatzten Saisons, in denen er jeweils fast bis zum Schluss in Abstiegsgefahr war. Nach jeder Saison wurde analysiert, wurden Schlüsse gezogen und Anpassungen getätigt. Aber es wurde nicht besser.


Nachdem der FC Zürich in der letzten Saison erst am vorletzten Spieltag dem Abstieg entgangen war, schaffte er einen grosse Turnaround und konnte nun den Titel 2021-22 gewinnen. Dank eines Trainerwechsels, kluger Neuzugänge und junger Talente gelang es dem FCZ, sich überlegen und mit grossem Vorsprung gegen die Favoriten durchzusetzen.


André Breitenreiter (ex Paderborn, Schalke und Hannover) praktizierte mit seinem Team ein schnelles und direktes Umschaltspiel, in dem die Stärken des Teams zur Geltung kamen und etliche Spieler aufblühen liess.


In dieser Saison hat alles zusammengepasst. Der Trainer, die Leistungen, die Effizienz, die Mentalität, die Resultate und manchmal auch das Glück und die Leistungen der Konkurrenten. Die Super League hat mit dem FC Zürich einen neuen, absolut verdienten und würdigen Schweizermeister 2021-22 gefunden. Herzliche Gratulation an André Breitenreiter und dem FC Zürich!


Wir wollen in diesem Blog einen datengestützten Saison-Rückblick machen, die Spielstrukturen der Teams einordnen, die Offensiven Spieler und Teams positionieren und auch ein Stück des Erfolgsgeheimnis und die Spielprinzipien des FC Zürich entschlüsseln.



"Everything is a number." Valeriy Lobanovskyi


Wenn für Dich nach dem Lesen dieses Blogs die Unterschiede, Stärken, Schwächen und Entwicklungen der Super League Team etwas fassbarer geworden sind, dann haben wir unser Ziel erreicht.





Tabelle Super League 2021-22

Die Schlusstabelle der Super League 2021-22.

Table Super League 2021-22
Table Super League 2021-22



Entwicklung Goal vs Goals against

Im Fussball geht es vor allem um Tore. Mit dem Vergleich zur letzten Saison können wir visualisieren wie sich die Teams entwickelt haben. Anbei die Visualisierung der geschossenen und erhaltenen Tore im Vergleich zur letzten Saison. Das kleine Vereinslogo steht für die Vorsaison Werte und das grosse für die diesjährigen. Je länger und diagonaler der Strahl, desto grösser die Veränderung.


Differenz Goals & Expected Goals
Differenz Goals & Expected Goals

  • Einzig Zürich und Basel haben mehr Tore geschossen und weniger erhalten +/- Klar muss mach auch sagen, dass beide auch ein grossen Optimierungspotential hatten

  • Lausanne, Luzern und Sion haben weniger Tore geschossen und mehr erhalten -/+

  • St. Gallen, Lugano, Young Boys und Servette haben mehr Tore geschossen aber auch mehr kassiert +/+

  • Die Grasshopper hatten als Aufsteiger keine Super League Vorsaison

  • Defensiv loosers: Lausanne hat 22 Tore mehr kassiert und die Young Boys deren 21

  • Offensiv winners: Zürich hat 25 Tore mehr geschossen und St. Gallen deren 23






Tabelle vs Tabelle Expected Points (xP)

Fussball ist ein Sport mit wenigen Toren und vielen Variabeln. Das Resultat kann manchmal nicht der Leistung entsprechen. Mit dem Vergleich zwischen den effektiv erzielten Punkten aus der Tabelle und den Expected Points (xP) können wir sehen, wie die Chancenauswertung der Teams in Bezug auf die effektiv erspielten Chancen war.


Die Expected Points(xP) messen die Anzahl der Punkte, die eine Mannschaft auf der Grundlage der von ihr geschaffenen Torchancen (Expected Goals xG) aus einem Spiel hätte erzielen können.



Super League 21-22 Tabelle vs Expected Points
Super League 21-22 Tabelle vs Expected Points

Die Overperformer waren vor dem Tor effizient und haben mehr Punkte erzielt, als es die Qualität ihrer Chancen hergegeben hätte. Die Underperformer haben unter dem Strich weniger Punkte geholt und liessen gute Chancen ungenutzt.


Overperformer Zürich +20.1 , Basel +7,7 , Lugano +6,4 , Sion +1.9

Underperformer Lausanne -13.2, Servette -12,1, Young Boys -7.9, Luzern -7.7, St. Gallen -6.3, Grasshopper -1.3

Es ist wirklich ausserordentlich bemerkenswert welche Effizienz im Abschluss der FC Zürich, über die ganze Saison, an den Tag gelegt hat. Einige waren davon überzeugt, dass der FCZ die Effizienz in der Rückrunde nicht bestätigen kann. Rein von den erspielten Torchancen, hätten die Young Boys die Meisterschaft gewonnen, wäre da nicht eine durchschittliche Chancenauswertung gewesen. Aber der FCZ hat mit seiner Effizienz ganze 20 Punkte mehr geholt, als es reinen erspielten und zugelassenen Torchancen widerspiegeln. Die Zürcher haben viele Male eine tolle Mentalität gezeigt und auf Rückstande grossartig reagieren können. Auch mal mit einem Standard.

Eine andere Sicht auf die Expected Points:


Points vs xPoints
Points vs xPoints


Kein Team aus dem Top5 Ligen konnte mit den Zürchern +20 Expected Points mithalten. Sevilla führt die Top5 Effizienz-Rangliste mit +16 gefolgt von Real Madrid und Milan mit +15. Die Werte weiterer Top Teams PSG +13, BVB +10, Liverpool +8, Bayern München +3. Der FCZ war in Punkto Effizienz auch in Europa eine Klasse für sich.


Der FCZ war über die ganze Saison 2021-22 hinweg ein regelrechtes Effizienzmonster.

Der FC Zürich hat, wie auch Lugano, auch von seiner Disziplin profitiert. Denn er hat nur eine rote Karte erhalten. Im Vergleich St Gallen 7, Lausanne und Servette 6, Young Boys 5, Basel 4 und Lugano 2.


Zudem blieb der FC Zürich auch vor schwerwiegenden Verletzung verschont. Auch da hat es André Breitenreiter verstanden, immer wieder verletzungspräventive Belohnungs-Freitage zur Erholung einzustreuen.




André Breitenreiter der Baumeister des Erfolgs

Der Meistertitel ist ein grosser Verdienst von André Breitenreiter, der mit seinem Team ein nahezu perfektes Umschaltspiel gezeigt hat. In Rückstand liegend, waren sie aber auch in der Lage dominanter zu spielen und im Positionsspiel gegen einen Mittelfeld- oder Defensivblock Chancen und Tore herauszuspielen.


Die Konstanz (und auch Spielglück) ist weniger von der Tagesform der Spieler, sondern viel mehr von einer taktisch soliden und innovativen Spielstruktur abhängig.

André Breitenreiter hat das Umschaltspiel und vor allem die Steckpässe zwischen die Linien perfekt umgesetzt. Sein Signature-Spielzug ist der Pass vom seitlichen Verteidiger oder Flügelverteidiger hinter den Innenverteidiger in den Laufweg des Stosstürmers. Dieser Spielzug ist nicht neu. André Breitenreiter hat ihn aber in der Super League in Bezug auf Präzision, Signalisierung mit Stürmern und Timing auf ein neues Niveau gehoben. Dieser (wohl wieder und immer wieder) einstudierte Spielzug hat Zürich inklusive Variationen perfekt beherrscht und er war ein regelrechter Dosenöffner für die gegnerischen Verteidigungen. Das ganze Team und vor allem Ceesay hat extrem von diesem einstudierten und schwer zu verteidigendem Spielzug profitiert.




André Breitenreiter Signature Spielzug
André Breitenreiter Signature Spielzug





Entwicklung - Herausgespielte und Zugelassene Torchancen

Das Resultat einer Saison ist immer eine Momentaufnahme. Interessant wird es wenn wir die Entwicklung eines Teams mit der Vorsaison vergleichen. Denn am Ende ist es auf Team- und Spielerebene die Weiterentwicklung die den Erfolg bringt.


Development pays the rent

Hier die Team-Entwicklungen in Bezug auf Expected Goals per 90 (Qualität der erspielten Torchancen) und Expected Goal against.


xG vs xG against
xG vs xG against


Kleines Vereinslogo auf Werte der Vorsaison und grosses Vereinslogo die Werte der abgeschlossenen Saison. Bewegung nach oben bedeutet positive Entwicklung. Je länger der Strahl und je diagonaler der Winkel, desto besser.


Es ist zu sehen, dass die Teams im Quadranten "bad attack and bad defense" auch diejenigen Teams sind die ganz hinten in der Tabelle anzufinden sind. Zürich uns Lugano haben eine gute Entwicklung gemacht und konnten den Quadranten verlassen.


Zürich, Lugano, St. Gallen und Basel haben beide mehr Torchancen erspielt und weniger zugelassen. Wobei Basel von diesen Teams immer noch am meisten Torchancen zulässt. In der Defensive kann Alex Frei in der nächsten Saison sicherlich ansetzen um ein genügendes Fundament für das Spiel nach vorne zu bauen. Basel hat von den Spitzteams n der Saison den Gegnern viel zu viele Chancen zugelassen.


Mehr Torchancen zugelassen und weniger erspielt haben die Lausanne, Young Boys, Servette und Luzern. Wobei YB sowie in der letzten wie auch in dieser Saison die besten Werte erreicht hat.


Der FC Sion zeigt ein eigenes Muster. Er hat seinen schlechtesten Wert im Torchancen zugestehen etwas verbessert, aber diese Saison selber weniger erspielt.





Spielstruktur Analyse – Dominanz

Anhand der Daten und Leistungen kann man auch Rückschlüsse auf die Spielstruktur tätigen.

Schauen wir und zuerst die gezeigte Dominanz der Super League Teams an. Dazu verwenden wir die Metriken Ballbesitz und Field Tilt.


Der Field Tilt ist der Unterschied zwischen der Anzahl eigener Pässe ins letzte Drittel und die des Gegners. Nur der reine Ballbesitz wäre für eine Aussage zur Dominanz nicht ausreichend. Wenn man aber den Field Tilt dazu nimmt, kann man eine Aussage über einen qualitativen und territorialen Ballbesitz treffen.


Spielprinzip: Mehr vom Ball, aber dort wo es draufankommt.

Super League 2021-22 Dominanz
Super League 2021-22 Dominanz


Am meisten Ballbesitz: Basel 57.6, YB 56.4, Luzern 51.6 Grösster Field Tilt: YB 20.8, Basel 12.4, Luzern 3.57

Der Meister Zürich war rein in der spielerischen Spieldominanz in beiden Dimensionen sogar unterdurchschnittlich. Mit einem Ballbesitz von nur 46.5% Meister zu werden ist absolut bemerkenswert.


Im Normalfall musst Du im oberen rechten Quadranten positioniert sein, um Meister zu werden.

Zum Vergleich die Meister in den Top5: Manchester City 68.1, Bayern München 64.1, PSG 62.5, Real Madrid 58.6, Milan 54.5 In absoluten Normalfall braucht es 55 und mehr Ballbesitz um Meister zu werden. Leicester gewann in seiner Jahrhundertsaison 2014-15 die Premier League mit ausserordentlichen wenigen 43.7 % Ballbesitz. Dies war aber nur möglich weil die vier bis fünft Top-Teams gleichzeitig schwächelten.


Dilly ding, dilly dong

André Breitenreiter hat seinen Wechsel in die Bundesliga diese Woche bekannt gegeben. Wenn man pragmatisch denkt, dann ist sein Wechsel in die Bundeliga zu 100% nachvollziehbar. Er war sich wohl auch bewusst, dass es schwierig wird, die so überragende Effizienz nochmals zu bestätigen und mit so wenig Ballbesitz nochmals Meister zu werden.

Dies führt mich zum Post-Saison Reim:


Mit so wenig Ballbesitz wirst du nicht mehr Meister, dachte sich wohl der Breitenreiter :-)

Wir sind gespannt darauf, was André Breitenreiter für einen Spielphilosophie mit einem Team mit mehr Ballbesitzansprüchen praktizieren wird. (FCZ 46.6%, Hoffenheim 53.5%)






Spielstruktur Analyse – Pressing und Direktheit

Als nächstes wollen wir die Spiel-DNA der Teams erkunden. Die Spielstruktur hat vielseitige Facetten und ist die Identität eines jeden Teams. Zwei der Ausprägungen der Spielstruktur sind das Pressing und die Direktheit zum Tor. Wir verwenden dafür folgende Werte:

Passes per Defensiv Actions (PPDA) Dieser Wert der steht für die Intensität des Pressings/Gegenpressings auf Mannschaftsebene. Es werden die Anzahl Pässe gezählt, die eine Mannschaft zulässt, bis es zu einer Defensivaktion (Abgefangener Ball, Zweikampf, Foul) kommt.


Eine niedriger PPDA Wert deutet auf ein höheres und intensiveres Pressing (Offensivpressing) bei der Rückeroberung des Balls hin. Während ein hoher Wert auf eine Mannschaft hindeutet, die sich tendenziell zurückfallen lässt und den Gegner näher am eigenen Tor mit Mittelfeld- oder Defensivpressing stört. In der unteren Grafik sind die Werte der aktuellen Saison dargestellt.



Directness (Passes per Shots)

Die Zielstrebigkeit und Direktheit zum Tor haben mit den Anzahl Pässen pro Schuss gewertet. Je weniger Pässe ein Team pro Schuss benötigt, desto direkter ist das Team im Spiel auf das Tor.



Pressing vs Directness
Pressing vs Directness


Mit Hilfe des obigen Graphs kann man die Spielstruktur DNA der Teams gut einordnen.

Ist die Spielphilosophie auf Abwarten oder hohes Pressing ausgerichtet? Wird bei Ballbesitz der Abschluss schnell und direkt gesucht oder mittels konstruierten Positionsangriffen?


Das höchste und aggressivste Pressing legen die Young Boys (PPDA 7.79) an den Tag. Das heisst, dass die Gegner im Schnitt nur rund 8 Pässe schlagen können, bis eine YB Defensivaktion erfolgt. Danach folgen St. Gallen (8.6) und Basel (8.9). Im Vergleich haben in Europa Barcelona mit 7.3 und Köln mit 8 die aggressivsten Werte. Die Unterschiede in unserer Liga sind gross, denn bei den mit Mittelfeld- oder auch mit Defensivpressing agierenden Lausanne und Sion sind es fast 13 Pässe.


Auch bei der Direktheit weisen die Young Boys den besten Wert auf. Zürich und St. Gallen sind aber auch gut dabei und fackeln in ihrem Spiel nach vorne nicht lange. Hier kann man sehen, dass der FCZ trotz weniger Ballbesitz, einen direkteren Umschaltfussball spielt, als Basel und die Grasshopper.



Die Mentalität und die Spielstruktur bestimmen die Robustheit und Resilienz eines Teams.




Klassifizierung der Offensivspieler

Begeben wir uns nun auf Spielerebene und schauen uns den effektiven offensiven Output an. Diesen messen wir "non penalty Expected Goals (npxG) pro 90Min" und "Expected Assist (xA) per 90 Min". Diese Werte zeigen, wie stark der Spieler an den Torchancen direkt beteiligt ist. Es sind die wichtigsten Messgrössen für jeden offensiven Spieler. Selbstverständlich ziehen wir die Penalty xG ab, da sie das Resultat verfälschen.


Die untere Grafik visualisiert die besten Super League Spieler der Vorrunde anhand der Achsen npxG per 90 und xA per 90.





Players offensive output 2021-22
Players offensive output 2021-22



Die Super League hat nach der Vorrunde mit Cabral, Kyei, Youan und Zhegrova vier seiner Offensiv-Attraktionen verloren.

Es gib die Kategorie "Vollstrecker", die vor allem starke Expected Goals (xG) Werte aufweisen, sich aber weniger kreativ beteiligen. Sie erhalten als Zielspieler die guten Pässe und Vorlagen und verwerten diese eiskalt. Die Knipser halt. Nicht alle in dieser Zone haben das Tor regelmässig getroffen, aber sie kommen ausgezeichnet in Abschlussposition. Hervorzuheben ist der Wert des erst 21jährigen Mohamed Amoura, an dem Lugano noch viel Freude haben wird.


Dann gibt es die sehr beliebten "Vorbereiter", die mit kreativen Aktionen und Pässen ihre Mitspieler regelmässig in gute Torabschluss-Positionen bringen. Sie sind oft technisch versiert und Verfügen über ein gutes Füsschen und eine gehörige Portion Kreativität.

Und schliesslich gibt es die «Eierlegenden-Wollmilchsäue», die sowohl-als-auch Vorlagen und Tore generieren können und egal was der Gegner unternimmt immer ein Ass im Ärmel haben.


Diese Einteilung in Kategorien ist auch bei der Kaderanalyse wertvoll, da man erkennen kann welche Ausprägung nicht in der Breite vorhanden ist.





Adjusted Expected Offensive Output

Die obige Grafik zeigt die absoluten Werte die per 90 Minuten erzielt wurden. Darin ist aber nicht berücksichtigt, wieviel Ballbesitz oder auch wieviel Ballberührungen der entsprechende Spieler zur Verfügung hatte, um seine Werte zu erzielen. Es ist nicht fair, den Output eines Spieler mit 14 Ballberührungen mit einem Spieler mit 40 Ballberührungen zu vergleichen. Wenn wir jetzt also die Werte auf die Anzahl Ballberührungen (Received Passes per 90) bereinigen, erhalten wir folgende Sicht.


In der unteren Grafik haben wir die xA und xG Werte per 30 Ballberührungen bereinigt.




Players offensive output adjusted 2021-22
Players offensive output adjusted 2021-22


Da kommt spannendes zutage. Die grössten Profiteure von dieser Gewichtung sind

Ž. Celar, F. Stojilković, W. Kanga, T. Aiyegun und C. Bedia.


Etwas redimensioniert wurden die Werte der Spieler mit überproportional vielen Ballberührungen pro 90 Min. Wie unter anderem Ch. Fassnacht, K. Imeri, W. Gnonto, S. Esposito und M. Amoura.


Diese Bereinigung ist für eine Gesamtsicht wertvoll, damit nicht nur Spieler von Teams mit viel Ballbesitz und vielen Berührungen die Lorbeeren bekommen.


In der Analyse der Spieler sind bei den Offensiven Werte auch die Anteile an Ballbesitz und Ballberührungen zu berücksichtigen. Diese Werte zu bereinigen (adjusted stats) ist für eine Gesamtsicht ein wertvoller Indikator.

Das Gleiche gilt natürlich auch für die Defensiven Werte, bei denen es einen grossen Unterschied macht, ob ein Spieler 10 oder 30 Minuten für Defensivaktionen zur Verfügung hat.



Effizienz im Angriff

In den bisherigen Stats war der aktuelle Meister höchstens überdurchschnittlich. Das wird sich nun ändern. Um die Effizienz im Angriff fassbar zu machen, haben wir folgende Werte verwendet.

Shots per game: Wie viele Schüsse pro Spiel (ohne Penalty) geben die Teams ab

Conversion Rate %: Aus wie viel Prozent der Schüsse resultiert ein Tor




Shot Efficiency 2021-22
Shot Efficiency 2021-22

Unsere Analyse ergibt:

  • dass die Young Boys mit Abstand am meisten Torabschüsse abgeben. Das gilt auch für die Anzahl Flanken. In dieser Saison über alles aber definitiv "mehr Masse als Klasse"

  • dass Zürich mit Abstand die höchste Effizienz aufweist und am wenigsten Schüsse für ein Tor braucht (Ein Tor bei jedem sechsten Schuss!)

  • dass Sion, Lausanne, Grasshopper und Lugano unterdurchschnittlich viele Schüsse abgeben

  • dass Luzern überdurchschnittlich viel schiesst aber unterdurchschnittlich verwertet

  • dass Zürich, Basel und die Grasshopper effizienter im Abschluss sind und weniger Schüsse für ein Tor benötigen


Auch im europäischen Vergleich ist der FCZ in Punkto ganz vorne dabei. Von den rund 100 Top 5 Teams zeigte nur eine Handvoll eine höherer Effizienz. Siehe linke Tabelle in der Grafik.


Im Grundsatz hat sich das Team dass weniger schiesst aber besser trifft, klar durchgesetzt. Man kann gut spielen, gut pressen, gut verteidigen aber eine lausige Effizienz im Abschluss macht alles zur Schnecke.


Der Leitsatz von André Breitenreiter und seinem Team könnte lauten.


Spielprinzip: shoot smarter - not harder




Teams Disruptionslevel

Die folgende Teilanalyse widmen wir den Defensiven Qualitäten. Es geht um die Fähigkeit den Gegner zu pressen, unter Druck zu setzen und Fehler oder Balleroberungen zu erzwingen. Es geht darum den gegnerischen Raumgewinn möglichst zu unterbinden oder zu erschweren.


Dafür verwenden wir die Metriken Passes per Defensiv Actions (PPDA) und die zugelassene Erfolgsquote der Vorwärts- und Progressiven Pässe.

Wir bezeichnen die Leistung in dieser Kombination als Disruptionslevel.


Als Progressiv Pass gilt gemäss Wyscout, wenn der Raumgewinn zwischen Start- und Endposition:

  • mindestens 30 Meter beträgt, wenn sich Start- und Endpunkt in eigener Hälfte befinden

  • mindestens 15 Meter, wenn sich Start- und Endpunkt in verschiedenen Hälfte befinden

  • mindestens 10 Meter, wenn sich Start- und Endpunkt in gegnerischen Hälfte befinden




Disruptionslevel 2021-22
Disruptionslevel 2021-22


Es ist keine Überraschung dass die Young Boys und St. Gallen oben rechts zu finden sind. Beide Teams stören ihre Gegner im Spielaufbau sehr früh mit aggressivem Pressing. Gleichzeitig sind sie in der Lage Raumgewinn zu unterbinden und durch geschicktes Anlaufen

Anspieloptionen zu isolieren oder Pressingfallen zu stellen.


Im breiten Mittelfeld sind Basel, die Grasshopper, Luzern und Zürich zu finden. Sie setzen eher auf Mittelfeldpressing und sind beim Unterbinden von Raumgewinn im nationalen Durchschnitt.


In unteren Quadranten sind schliesslich Servette, Lugano, Sion und Lausanne zu finden. Speziell Servette und Lugano repräsentieren eine Spielphilosophie, die bessere Werte benötigen würde. Wenn man es pro Spiel und Gegner analysiert, dann ist St. Gallen in der Lage, die Erfolgsquote der Vorwärts- und Progressiven Pässe um ganze 6% zu drücken. D.h. jedes Team hat gegen St. Gallen eine um 6% tiefere Quote als im Durchschnitt. Eine wirklich starke Performance von Peter Zeidler mit seinem Team.






FC Zürich - Erfolgsrezept

Ein Erfolgsrezept von Zürich ist wie bei den Expected Points gesehen die Effizienz. Gehen wir einen Schritt tiefer und schauen uns nun das Schussverhältnis pro Gegner an, das erstaunliches offenbart.


Im unteren Chart sind die Anzahl Schüsse und Anzahl Schüsse pro Spiel auf das Tor kumuliert pro FCZ Gegner kumuliert. Die Werte sind aus den vier Begegnungen pro 90 Minuten kalkuliert.



Shot Ratio per Opponent
Shot Ratio per Opponent


Nur gegen die Young Boys war die Zürcher Gesamtbilanz der "Schüsse" und "Schüsse auf das Tor" negativ. Die Young Boys haben in den vier Direktbegegnungen ganze 36 Schüsse auf das Tor mehr abgegeben als die Zürcher! Aber am Ende des Tages damit nur winzige 3 Punkte geholt.


Gegen Basel hat Zürich pro Spiel 2 Schüsse mehr auf das Tor abgegeben, aber leicht weniger auf das Tor gebracht.


Das Muster vs Lausanne, St. Gallen, Lugano und Servette ist am erstaunlichsten. Zürich hat pro Spiel wesentlich mehr Schüsse kassiert, aber im Gegenzug aus den weniger Torabschlüssen signifikant mehr davon auf das Tor gebracht. Die spricht für ein starkes Risiko-Management bei der Schuss Abgabe. Es wird nicht aus jeder Position geschossen, sondern geduldig eine noch bessere Situation abgewartet. Hier war Zürich absolute Spitzenklasse.



Spielprinzip: Wir schiessen nicht wenn wir können. Sondern wenn wir wollen. (Könnte von Breitenreiter FC Zürich sein)



Saison 2021-22 Fazit:

Der FC Zürich war in der 2021-22 Saison seinen schwächelnden Mitkonkurrenten zwar nicht in der Spieldominanz, sondern in der Präzision, Zielstrebigkeit und Effizienz klar überlegen. In der neuen Saison wird es extrem spannend werden, da die halbe Liga ihren Trainer wechseln muss oder will.


Zudem möchten in der Zehner-Liga drei Teams (offiziell oder nicht) Meister werden, wohl sechs in den Europacup und ein Team nicht absteigen.


Wir freuen uns jetzt schon auf die neue Super League Saison 2022-23 und schliessen als Ode an das aktive und offensive Spiel mit zwei unserer Lieblingszitate ab.



"Was dich befruchtet, ist das Spiel und nicht das Resultat. Das sind bloss ein paar Zahlen." Juanma Lillo

"Wir wollen alle gewinnen, aber nur die Mittelmässigen streben nicht nach Schönheit." Jorge Valdano




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