Datenscouting - Das Fundament eines erfolgreichen Scoutings

Fussball Scout Vergangenheit

Vorbei ist die Zeit, als die Fussballscouts mit Fernglas und Notizzettel bewaffnet mit Auto und Flugzeug Tausende von Kilometern zurücklegten. Um dann in unzähligen Hotelzimmern einzuchecken, unzählige Taxis zum Stadion zu besteigen und in unzähligen Stadien alle möglichen Spieler zu beobachten.

Vorbei ist die Zeit, als die Scouts unzählige Papierformulare ausfüllten und per Post, Fax oder Email an ihren Verein sandten. Vorbei ist die Zeit, als die Scouts ihre Zeit 90% zum Reisen und 10% zum Scouten aufwendeten.

Die Digitalisierung zwingt Fussballvereine zu Effizienz

Die Digitalisierung und die Pandemie zwingt auch Fussballvereine ihre Scouting Prozesse zu überdenken, zu digitalisieren und zu verbessern. Durch die kontinuierlich steigende Anzahl an verfügbaren Daten und Videos ist es heutzutage möglich, eine systematische Selektion mit einem standardisierten Scouting Prozess zu verbinden. Auch mit beschränkten Ressourcen.

Die Herausforderung bleibt immer die gleiche: Den perfekten Spieler zu finden, den hoffentlich kein anderer Verein auf dem Zettel hat. Nur ist das heutzutage viel schwieriger als früher. In Vergangenheit konnten Vereine mit grossem Budget ein weltweites Scout-Netzwerk aufbauen, das ihnen als Erste schnell eine Vielzahl an Talenten meldeten, aus denen dann ausgewählt werden konnte. Durch die systematische Datenerhebung fällt heute zum Beispiel ein 16-jähriger Iraner sofort auf, wenn er in seinem ersten Ligaspiel bei den Profis zwei Tore erzielt. Am nächsten Tag, weiss es schon die halbe Scout Fussballwelt.

Wyscout, Opta, Statsbomb, InStat uvm.

Durch die Datenerhebung und den professionellen Datenprovidern ist die Grundlage für alle Vereine geschaffen, ein qualitatives Datenscouting zu betreiben. Heutzutage können Vereine für wenig Geld auf die Spielerstatistiken der ganzen Welt zugreifen.


Nur, die allermeisten Vereine haben ein sehr beschränktes Scouting Budget. Die Scouting Bereiche bestehen oft aus zwei bis drei Personen. Den kostengünstigen Zugriff auf die Statistik Daten haben alle, aber für die Analyse und Interpretation der Daten oder entsprechenden Tools oder Plattformen, stehen nur sehr beschränkte Mittel zur Verfügung. Vereine müssen kreativ und innovativ sein. Nur ganz wenige Teams können sich ganze Analysten und Data Scientist Abteilungen leisten.


Die ersten Scouting Entscheidungen sind wichtiger als die letzten

Scouting ist ein klassischer Selektionsprozess. Mit jedem Selektionsschritt wird die Anzahl der Spieler massiv reduziert. Da bei den ersten zwei Selektionen über 90% der Spieler "aussortiert" werden, sollten wir viel mehr Augenmerk auf diese legen. Je mehr Spieler nicht berücksichtigt werden, desto wichtiger ist der Selektionsschritt.


Abhängigkeit von Agenten reduzieren

Es gibt noch zahlreiche Vereine die ein grösstenteils reaktives Scouting betreiben. Sie bekommen von einem Agenten oder anderen Mittelsmann eine Empfehlung. Danach schauen sie sich dann in einer Scouting Plattform die Aktionen des Spielers auf Video an.

Mit diesem Vorgehen sind die Vereine schon viel zu schnell auf eine kleine Anzahl Spieler fokussiert. Und oft stehen dabei auch nicht die Interessen der Vereine im Vordergrund.


Der ideale Scouting Prozess beginnt mit Datenscouting

Die Datenanalyse hat nicht das Ziel die Scouts zu ersetzen. Vielmehr bietet die Datenanalyse eine wertvolle Ergänzung zu den Talent-Identifikations Fähigkeiten der Scouts. Ein guter Scoutingprozess besteht aus verschiedenen Phasen und beginnt mit dem Datenscouting. Damit man sich nicht zu früh auf einzelne Spieler einschränkt und zu Beginn wirklich das ganze Spieler-Potential berücksichtigen kann. Zudem läuft man bei Spielerscouting per Video/Live Gefahr ein extrem schlechtes oder extrem gutes Spiel zu sehen, was das Ergebnis verfälscht. Mit den Daten hat man die Wahrheit über die ganze Saison.


Datascouting Funnel


Scouting Prozess beginnt mit Datenscouting
Scouting Prozess

Datenscouting

Der Verein definiert zuerst anhand seiner Spielphilosophie die Selektions-Kriterien pro Position.

Danach findet eine erste Spieler-Selektion anhand ihrer Leistungswerte und Statistiken statt.

Dieser Schritt sollte schon zahlreiche Spieler generieren, die man sonst nicht auf dem Rader hatte.

Hier ist es wichtig, die richtigen Kriterien einzuschränken. Die Fähigkeiten die nur schwer weiterentwickelt werden können, sind wichtiger als die anderen. Denn ein guter Trainer kann sehr viele Dimensionen der Taktik und Persönlichkeit weiterentwickeln.

Die Vorteile des Datenscouting:

  • Der Verein kann seine Erst-Selektion systematisch anhand seiner Spielphilosophie tätigen.

  • Der Verein hat zu Beginn schon viel viel mehr Spieler im offenen Betrachtungsfeld. Dadurch werden viele Spieler signalisiert, die sonst nicht aufgefallen wären.

  • Je klarer und individueller die an die Spielphilosophie gekoppelten Suchkriterien, desto höher die Chance den passendsten Spieler zu finden..

  • Weil bei vereinspezifischen Kriterien nicht die ganze Welt danach sucht, führt dies zu Einsparungen bei den Transferausgaben. Und wiederum zu höheren Gewinnen bei einem allfälligen Weiterverkauf.

  • Daten haben keine Lieblingsteams oder Spieler. Die Leistung wird über die gesamte Zeitspanne so eingeschätzt, wie sie war. Die Gefahr der Wahrnehmungsfehler wird durch die zusätzliche Sicht auf die Daten reduziert.

  • Der Verein und die Scouts sparen massiv Ressourcen und Zeit und können ihre beschränkten Scouting Ressourcen effizienter einsetzen.

  • Die Abhängigkeit zu Agenten und anderen Vermittlern wird reduziert.

  • Datenscouting ist auch in einer Pandemie möglich.


Videoscouting, Livescouting und Spieler-Interview

Erst danach folgen die Phasen Videoscouting, Live-Scouting (Spiele & Trainings) und das Spieler-Interview. Gekoppelt zum fussballerischen Auswahlverfahren, sollten natürlich auch über Netzwerke Informationen zur Spieler Persönlichkeit und Mentalität eingeholt werden.

Daten alleine reichen nicht aus: Sie brauchen Analytik

Der Zugriff auf die Daten ist nur der erste Schritt. Daten alleine reichen nicht aus, um Neues zu entdecken. Daten führen nicht automatisch zu Erkenntnissen. Es braucht Analytik Fachwissen und eine Datenanalyse Plattform um die Daten gewinnbringend zu interpretieren und echte Erkenntnisse zu gewinnen. Erst recht, wenn wir von riesigen Zahlenströmen überflutet werden.


Kopernikus hatte die gleichen Daten wie alle anderen, er sah, hörte und lernte das gleiche wie seine Zeitgenossen. Aber er kam zu völlig anderen Schlüssen. Denn er hinterfragte Annahmen die für alle anderen nicht zur Diskussion standen.


Der eigene Aufbau eines Datenanalyse Bereichs und einer Plattform schreckt viele Vereine ab. Dies muss aber nicht teuer sein. Wir werden in einem späteren Blog Möglichkeiten aufzeigen, wie dies auch mit wenig Mitteln machbar ist. Und wie in der Zusammenarbeit zwischen Analytik & Fussball Fachwissen neue Potentiale entstehen können.

Zuerst die Daten, dann die Videos und dann das Stadion.

Blog von www.footballytics.ch Über Data Analytics Themen im Fussball - improve the game - change the ǝɯɐƃ

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