Warum Borussia Dortmund Jürgen Klopp nicht entlassen hätte sollen?

Es wurde bereits viele Male bewiesen, das nicht immer die bessere Mannschaft das Spiel gewinnt oder die Mannschaft mit den besseren Chancen. Glaubt ihr nicht? In der Champions League Saison 2012/2013 gewann Celtic Glasgow 2-1 gegen Barcelona, obwohl die Katalanen viel mehr Ballbesitz hatten und, sage und schreibe, 25 mal auf das Tor geschossen haben.

Während einer langen Saison kann man Spiele gewinnen, die eigentlich nicht verdient wären und man kann Spiele verlieren, in dem man dem Gegner überlegen war. Heutzutage kann man solchen Saisons oder Teile der Saison analysieren und zwar anhand von xP (Expected Points). Aber was sind Expected Points und wie berechnet man diese? Vor einiger Zeit haben wir euch in diesem Artikel den Wert xG (Expected Goals) vorgestellt. Der Wert xG bewertet die Wahrscheinlichkeit eines Tores, bei jeder einzelnen Torchancen. Ob ein Tor effektiv erzielt wird, kann von verschiedenen Faktoren abhängig sein. Anhand diesen Werten kann auch ein Spiel oder eine gesamte Saison einer Mannschaft analysiert werden, um zu sehen, ob die Mannschaft Glück, Pech oder vielleicht die Stürmer wechseln sollte.

Nehmen wir ein Beispiel aus dem letzten Bundesliga-Spieltag: Bochum gegen Hertha BSC Berlin. Anhand der Torchancen (Expected Goals Werte) hätte Bochum 1.03 Tore schiessen sollen und Hertha BSC Berlin: 0.61. Am Schluss gewann aber Hertha BSC Berlin mit 3-1.

Nun, würden wir dieses selbe Spiel 10,000 simulieren, wäre die Wahrscheinlichkeit hoch, dass in den meisten Fällen ein Unterschieden ausfallen würde. Nun kann dieses Spielchen über die ganze Saison durchgeführt werden und anhand dieser Wahrscheinlichkeitsberechnung, die Anzahl erwarteten Punkte (xP - Expected Points) ausgerechnet werden.

Schauen wir uns mal die letztjährige Saison der Super League anhand der „Expected Points“ an, um erneut ein Praxisbeispiel zu haben:

Saison 2020/2021 Punkte Expected Points

BSC Young Boys 84 71.5

FC Basel 53 48.5

Servette 50 60.2

FC Lugano 49 38.9

FC Luzern 46 58.8

Lausanne-Sport 46 49.9

FC St. Gallen 44 46.7

FC Zürich 43 44.7

FC Sion 38 36.8

FC Vaduz 36 46.4

Wir sehen eine klare Overperformance von YB und Lugano sowie eine Underperformance von Servette, Luzern und Vaduz. Hat dies nur mit Glück zu tun? Nein, es hat auch mit der Qualität der Spieler zu tun und wie gewisse Chancen verwertet werden. Aber wird Lugano mit der selben Leistung in diesem Jahr erneut, um europäische Plätzen spielen? Eher unwahrscheinlich.

Fussball ist kein Glücksspiel und eine Glücks- oder Pechsträhne geht vorbei, den statistischen Ausreissern folgt irgendwann die Regression zur Mitte.


Der Wert von Expected Goals und Expected Points liefern nicht das wahre Ergebnis aber sie helfen, unvoreingenommen die Leistung einer Mannschaft zu analysieren. Ein Präsident (da haben wir in der Schweiz einige Spezialisten) könnte diese xP Daten nutzen, bevor ein Trainer entlassen oder ihm eine Vertragsverlängerung angeboten wird.



Ah, und wieso hätte der BVB Klopp behalten müssen? Als Kloppo im Jahr 2015 entlassen wurde, hatte er 15 Punkte auf dem Konto und lag auf Patz 18. Aber nach Expected Points hätten der BVB 29.6 Punkte haben sollen und wäre damit auf dem 4. Platz gelegen. Ende Saison landete Borussia Dortmund schliesslich auf Platz 7. Wäre dies auch passiert, wäre der heutige Reds-Trainer beim BVB geblieben? Das wird niemand wissen, aber wie wir heute gelernt haben, ist die Wahrscheinlichkeit hoch.


Im Grundsatz kann man sagen.

Für die Chancenauswertung sind die Spieler die Hauptverantwortlichen. Für das Erspielen der Torchancen, sowie xG oder xP ist der Trainer der Hauptverantwortliche.

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